




Sicherung, Erhaltung, Nutzung und Belebung eines Barockschlosses mit Kavaliershäusern und grossem Park

Von der Masse getragen: Crowdfunding bietet Kulturschaffenden neue Finanzierungsmöglichkeiten
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Auch Kulturschaffende haben das Crowdfunding für sich entdeckt. Auf den Sammelplattformen hat die Mehrzahl der Projekte Erfolg. Manch einer ist von der Zahlungsbereitschaft der Fans selbst überrascht.
„Ende 2013 hatten wir die Idee, den Technikausbau im Amerika-Haus per Crowdfunding zu finanzieren", erinnert sich Stefanie Kinsky, bei der Stiftung für das Online-Marketing zuständig. Der Erfolg der Kampagne überraschte selbst die Optimisten unter den C/O-Berlin-Machern. Innerhalb weniger Wochen hatten kulturinteressierte Anhänger mehr als 122.000 Euro zugesagt, das angepeilte Ziel von 100.000 Euro wurde weit übertroffen.
Crowdfunding, also das Sammeln von Geld für die Realisierung eines Projektes unter potenziellen Interessenten über eine Internetplattform, war bis etwa 2011 fast nur für Start-up-Gründer interessant. In engem Kontakt mit künftigen Kunden und Geldgebern können sie ihr Projekt nicht nur vorfinanzieren, sondern auch auf Wünsche der künftigen Zielgruppe eingehen.
Kultur-Crowdfunding dagegen verkehrt viele Regeln der Finanzierung durch das Internetpublikum ins Gegenteil: Viele Kulturschaffende bekommen von ihren Anhängern Geld, obwohl sie eben kein tragfähiges Geschäftsmodell mitbringen. Stattdessen verfolgen sie nur eine Idee oder ein Projekt, an deren Ende gar kein konkretes, einzeln verkaufbares Produkt steht.
Quelle: N24
In Deutschland findet aktuell die Mehrzahl aller Kultur-Crowdfunding-Projekte genügend Unterstützer, um das Vorhaben zu finanzieren. Die führende deutsche Plattform für kulturelle oder soziale Ideen ist die Dresdner Firma Startnext. Die Plattform sammelte seit der Gründung Ende 2010 knapp 17 Millionen Euro von Unterstützern ein. Allein im vergangenen Jahr waren es acht Millionen für 950 erfolgreiche Projekte – etwa 60 Prozent aller Vorhaben auf der Plattform erreichten ihr vorher festgelegtes Finanzierungsziel.
Diejenigen, die ihr Kulturprojekt über Startnext finanzieren, wählen eine für den Kulturbetrieb ungewöhnliche Herangehensweise: „Das Besondere beim Crowdfunding ist, dass Kulturschaffende die Möglichkeit haben, ihre Idee in einer frühen Phase öffentlich vorzustellen und auf direktem Wege Unterstützer zu finden", sagt Denis Bartelt, Mitbegründer von Startnext.
Das Gefühl, in der Gruppe und gemeinsam mit den Initiatoren ein Ziel zu erreichen, sei für viele überhaupt erst der Anreiz, für ein Projekt Geld zu geben, erklärt Anna Theil von Startnext: „Deswegen müssen die Projektinitiatoren auch ein fixes Budgetziel vorgeben." Verfehlt eine Idee innerhalb der vorgegebenen Frist die Zielsumme, fließt gar kein Geld. Die beteiligten Crowdfunder bekommen ihre Einlagen zurück.
Für viele Künstler ist Crowdfunding der erste Versuch, mit ihren Ideen tatsächlich Geld einzunehmen. „Der direkte Zugang erleichtert gerade jüngeren Kulturschaffenden die Finanzierung", weiß Theil.
Startnext-Chef Bartelt wertet das wachsende Engagement auf der Plattform zudem als Zeichen dafür, dass mehr Zahlungsbereitschaft für Kultur da ist, als die Szene selbst annimmt: „In einer Zeit, in der wir immer weniger für Musik, Journalismus oder Filme bezahlen, geht es beim Crowdfunding darum, dass die Menschen genau dafür bezahlen wollen und neue Ideen Wirklichkeit werden können."
Von Kurzfilm- oder Fotobuchprojekten, die nur wenige Hundert Euro Finanzierung brauchen, bis zum Thüringer Independent-Musikfestival Auerworld, das im vergangenen Jahr 55.000 Euro einsammelte – überall engagieren sich zahlungswillige Kulturfans, die mit klassischer Spendenwerbung vermutlich unerreichbar gewesen wären, für gemeinsame Ziele.
Eichhöfer sieht durch die Klage die Kunst der Straßenfotografie gefährdet. „Wer weiß, vielleicht sind Street-Art-Fotoausstellungen aufgrund eines Schmerzensgeldurteils künftig nicht mehr möglich", sagt er. Um das zu verhindern, will er den Fall notfalls bis zur letzten Instanz weiterverfolgen. Doch das Prozesskostenrisiko dafür liegt mit mehr als 13.000 Euro hoch.
Deswegen startete Eichhöfer eine Crowdfunding-Initiative zur Verteidigung der Straßenfotografie vor den deutschen Gerichten – und sammelte innerhalb weniger Tage von mehr als 500 Unterstützern mehr als 17.000 Euro ein. Von dem Erfolg ist er selbst überrascht.
Klassische Plattformen wie Startnext eignen sich vor allem dafür, ein einzelnes Projekt zu finanzieren. Künstler, die mit ihrer Arbeit ein regelmäßiges Einkommen erreichen wollen, mussten bislang eher auf Werbung etwa bei YouTube setzen. Das aber wollte der Podcaster Manuel Fritsch nicht. Er versendet jeden Morgen den Spiele-Podcast „Insert Moin" und suchte einen Weg, die aufwendige Produktion zu finanzieren.
Fritsch fand die US-Crowdfunding-Plattform Patreon. Die unterscheidet sich von Startnext darin, dass Fans eines Künstlers nicht einmalig eine Summe geben, sondern stattdessen eine Art Abonnement abschließen können: Die Patreon-Crowdfunder legen fest, dass sie etwa pro veröffentlichtem Video eines Künstlers eine bestimmte Summe geben – und dafür dann einen exklusiven Vorabzugang zu dem Werk bekommen.
Mit Patreon können Künstler, die regelmäßig neue digitale Werke publizieren, fest kalkulieren, welche Einnahmen sie pro Werk oder Monat generieren.
„Den Leuten sind gute Inhalte etwas wert. Man braucht gar nicht so viele, wenn man die richtige Nische besetzt, erklärt Podcaster Fritsch. Er bekommt aktuell im Monat etwa 1600 Euro von seinen 316 Patreon-Abonnenten.
Das ist zwar noch immer eine verschwindend geringe Summe angesichts von etwa 50.000 Podcast-Hörern, die „Insert Moin" verfolgen. Doch Fritsch verzeichnet konstantes Wachstum. „Vielleicht erreichen wir irgendwann ein Level, das uns erlaubt, den Podcast hauptberuflich zu produzieren."
In den USA sind einzelne erfolgreiche Patreon-Künstler und Journalisten bereits so weit. Der Tech-Podcaster und Journalist Tom Merritt etwa hat mit seiner Sendung „Daily Tech News" nach mehr als 2000 Folgen mittlerweile eine Fangemeinde von 4829 Unterstützern, die ihm ein monatliches Einkommen von knapp 14.500 Dollar garantieren.
Das ist genug, um jeden Morgen eine aufwendige werbefreie Audioshow zu publizieren. Manuel Fritsch gibt das Hoffnung: „Wenn die Leute bereit sind, freiwillig für etwas zu bezahlen, das sie eigentlich auch umsonst im Netz bekommen könnten, beweist das, dass ihnen unsere Arbeit etwas wert ist."
Crowdfunding [ˈkɹaʊdˌfʌndiŋ] (von englischcrowd für ‚(Menschen-)Menge', und funding für ‚Finanzierung'), auf deutsch auch Schwarmfinanzierung oder Gruppenfinanzierung, ist eine Art der Finanzierung. Mit dieser Methode der Geldbeschaffung lassen sich Projekte, Produkte, die Umsetzung von Geschäftsideenund vieles andere mit Eigenkapital oder dem Eigenkapital ähnlichen Mitteln, in Deutschland zumeist in Form partiarischer Darlehen oder stiller Beteiligungen, versorgen. Eine so finanzierte Unternehmung und ihr Ablauf werden auch als eine Aktion bezeichnet. Ihre Kapitalgeber sind eine Vielzahl von Personen – in der Regel Internetnutzer, da zum Crowdfunding meist im World Wide Webaufgerufen wird.
Historisch gesehen ist Crowdfunding ein relativ junger Begriff, der erst seit einigen Jahren verstärkt eingesetzt wird. Der Begriff des Crowdsourcing wurde von Jeff Howe in einem Wired-Artikel geprägt. Einige Jahre später erarbeitete er auch erste Ansätze für eine Definition des Begriffs Crowdfunding, angelehnt an Crowdsourcing.
Das Wort setzt sich aus den englischen Wörtern crowd ‚Menge, Menschenmasse' und funding‚Finanzierung' zusammen. Als Verdeutschungwird gelegentlich Schwarmfinanzierungverwendet. Mit der Herkunft dieser Eindeutschung beschäftigte sich im März 2013 der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch im Sprachlog in den Beiträgen And the Winner is: Crowdfunding![1] und Sprachschmuggler in der Wikipedia?[2] Dabei ergaben seine Recherchen, dass dieser Begriff seinen Ursprung in einem am 23. März 2011 erfolgten Eintrag im Artikel Crowdfunding der deutschsprachigen Wikipedia habe.[1][2]
Man kann vier Varianten des Crowdfunding unterscheiden:[3]
Historisches Crowdfunding findet man bereits im 19. Jahrhundert. So wurde z. B. der Sockel für die Errichtung der Freiheitsstatue durch 160.000 Einzelspenden ermöglicht.[4]
Im Oktober 2003 startete der Musiker und Produzent Brian Camelio die Internet-Plattform ArtistShare als Reaktion auf die Entwicklungen des Raubkopierens und die Bestrebungen der Musikindustrie für ein digitales Rechtemanagement. Die Website ermöglichte es Musikern, das Geld für die Produktion eines Albums zu erhalten, bevor es veröffentlicht wurde. Als SellaBand im August 2006 in Europa startete, galt es, je 50.000 US-Dollar für Musiker und Bands mit der Hilfe sogenannter Believer zu erreichen, um ein Album zu produzieren. Bereits am 2. November 2006 hatte die Band Nemesea 528 Unterstützer zusammen und konnte so ihr Album „In Control" aufnehmen. In den vergangenen vier Jahren haben es weitere 50 Bands (Stand: September 2010) ins Tonstudio bei Sellaband geschafft.
2008 wurde Indiegogo gegründet.[5] 2009 wurde in den USA die Crowdfunding-Plattform Kickstarter.com gegründet. Eine Gewinnbeteiligung gibt es bei Kickstarter nicht. Die Initiatoren versuchen meist, mit einem Video von sich oder dem Projekt zu überzeugen. Nach dem gleichen Vorbild sind u. a. mit RocketHub weitere Crowdfunding-Plattformen online gegangen.
Anfang 2010 nutzte mit Public Enemy eine bereits etablierte Band solch eine Crowdfunding-Plattform, um ihr nächstes Album gemeinsam mit Fans und Unterstützern finanzieren zu lassen. Die Band selbst beschreibt auf ihrer Website: „In our six months on SellaBand, we are proud to have broken ground into a new paradigm of music financing and to have learned so much about the fan funding model with our fans."[6] Im Oktober 2010 stand das Vorhaben bei 91 % von 75.000 US-Dollar. Das eigentliche Ziel in Höhe von 250.000 US-Dollar wurde nach unten korrigiert, als die Plattform im Februar 2010 Insolvenz anmeldete. Seit der Insolvenz wird das einstige niederländische Unternehmen als GmbH mit dem Hauptsitz in München weitergeführt.
Im Juni 2010 erhielt das Software-Projekt Diaspora Medienaufmerksamkeit: Für die Entwicklung einer Internetplattform haben vier Studenten 10.000 US-Dollar benötigt. Mit der Plattform wurde Facebook der Kampf angesagt und angekündigt, ein Pendant zu entwickeln, welches bessere Vorkehrungen im Bereich Datenschutz treffen würde und die Daten seiner Nutzer dezentral immer auf dem eigenen Rechner des Anwenders speichere. Dies fand enormen Zuspruch in der Bevölkerung, die das Projekt gemeinsam mit 200.641 US-Dollar überfinanziert hat. Unter den 6.479 Spendern befand sich auch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Im Interview mit dem Magazin Wired sagte Zuckerberg: „I donated. I think it is a cool idea." ‚Ich habe gespendet. Ich halte es für eine coole Idee.'[7]
Mayday US ist ein Super-PAC in den USA, welcher sich zum Ziel gesetzt hat, alle Super-PACs abzuschaffen. Das Ziel ist es, Abgeordnete in den Kongress zu wählen, welche sich gegen den korrumpierenden Einfluss von Geld in der Politik stellen und Super-PACs abschaffen möchten. Das Projekt ist mit mehr als 7,9 Millionen Dollar ausgestattet und wurde von mehr als 55.300 Spendern durch Crowdfunding finanziert (Stand August 2014). Der Initiator des PACs ist der Harvard Professor Lawrence Lessig.[8]
Mit der Unterzeichnung des JOBS Act (Jumpstart Our Business Startups Act) in den USA durch Präsident Barack Obama wurde eine gesetzliche Grundlage geschaffen.
Zu der 2004 gestarteten Finanzierung des Roadmovies Hatschi Madame – Sorry Monsieurkonnte durch den Erwerb einer Eintrittskarte ein Platz im Abspann erworben werden.[9] Einige mediale Aufmerksamkeit wurde Crowdfunding zuteil, als der Film Hotel Desire durch Spenden von 175.000 Euro finanziert wurde.[10] Das bis dato größte Crowdfunding-Projekt im Filmbereich in Deutschland startete die Kölner Firma Brainpool im Dezember 2011. Für den geplanten Kinofilm zur TV-Serie Strombergwollte das Unternehmen bis März 2012 eine Million Euro einsammeln.[11] Nach zwei Tagen lagen die Einnahmen bereits bei über 150.000 Euro;[12] innerhalb einer Woche wurde die Plansumme erreicht.[13]
Neben nationalen Plattformen gibt es auch regionale Crowdfunding-Initiativen. Diese fokussieren sich vor allem auf Projekte für Start-ups aus der jeweiligen Region.
Crowdfunding gilt eher als Variante für die Finanzierung von Nischen-Projekten; Crowdinvesting benennt eine Art der Mittelaufnahme für Unternehmen oder Immobilien. Hierbei können Beteiligungen an Unternehmen erworben werden. Diese Beteiligungen verbriefen einen Anspruch auf einen Anteil am Unternehmensgewinn sowie häufig auch am Verkaufserlös und können verkauft werden. Beim Crowdinvesting soll, ähnlich wie beim Crowdfunding, das Risiko auf zahlreiche Investoren zu kleinen Beträgen verteilt werden; bei einer Finanzierung durch Business Angels oder Venture Capital wird das Kapital in der Regel dagegen von wenigen aufgebracht.[14]
Die Novelle des Kleinanlegerschutzgesetzes vom 9. Juli 2015 (BGBl. 2015 I S. 1114) hat auch das Crowdinvesting in Deutschland neu geregelt.[15]
In der Schweiz gibt es rund 40 nationale Crowdfunding-Plattformen, die Crowddonation, Crowdsupporting, Crowdlending und Crowdinvesting abdecken.[16]
Als erste Plattform startete „Cashare" im Jahre 2008 mit Fokus auf Crowdlending. Die größte Plattform (Stand: 2016) ist „wemakeit", die jegliche Art von Projekten anbietet. Daneben haben sich weitere Plattformen in Angebotsnischen positioniert, wie beispielsweise „I believe in you" für Sportprojekte, „letshelp" für Hilfsprojekte im In- und Ausland, „swisspeers" für die KMU Finanzierung und „lokalhelden.ch" für Vereine, Organisationen und Privatpersonen mit gemeinnützigen Projekten. Letztgenanntes Portal wird kostenfrei zur Verfügung gestellt.[17]In der Schweiz wurden im Jahr 2017 via Crowdfunding 374,5 Mio. CHF vermittelt, der grösste Teil fällt dabei in die Kategorie Crowdlending (186,7 Mio. CHF).[16][18]
Eine Aktion ist durch eine Mindestkapitalmenge gekennzeichnet, die durch die Masse fremdfinanziert sein muss, bevor die Aktion startet. Im Verhältnis zur Mindestkapitalmenge leistet jedes Mitglied der Masse (Crowdfunder) nur einen geringen finanziellen Anteil.
Für diese Leistung kann der Crowdfunder eine Gegenleistung erhalten, die verschiedene Formen annehmen kann (z. B. Rechte, Geld, Sachleistungen), den man dann als einen monetarisierbaren Wert ausdrücken kann. Darüber hinaus kann die Gegenleistung einen ideellen oder altruistischen Wert besitzen[19]z. B. die Unterstützung von humanitären Projekten, die keine ökonomische Gegenleistung versprechen.[20][21]
Die Kommunikation zwischen Geldgeber und -nehmer wird über eine Plattform im Internet realisiert. In der Regel veröffentlicht der Geldnehmer über diese Plattform eine weitgehend offene Ausschreibung, die sich an alle geschäftsfähigen Internetnutzer richtet; ohne Ein- oder Ausgrenzung möglicher Geldgeber.
Ein weiteres kennzeichnendes Merkmal von Crowdfunding ist, dass durch Crowdfunding erzielte Gelder zweckgebunden an die jeweilige Aktion sind. Allerdings ist für den Vorgang des Crowdfundings in Deutschland bislang keine spezifische gesetzliche Grundlage vorhanden (im Gegensatz beispielsweise zur Finanzierung durch Aktien, wofür es in Deutschland ein Aktiengesetz gibt). In den USA hingegen wurde mit der Unterzeichnung des JOBS Act („Jumpstart Our Business Startups Act") durch Präsident Obama eine gesetzliche Grundlage geschaffen.